Die Standortschießanlage in Groß Ippener

("Alter" und neuer Schießstand)

Auf Beschluss des Kulturamtes Verden vom 28. Jan. 1937 ist der Sprengelsberg-Schießplatz in der Gemarkung Groß Ippener an das Deutsche Reich - Reichsfiskus (Luftfahrt) - gegen Zahlung von 3608,- Reichsmark zu veräußern und aufzulassen. Mit Schreiben vom 30. April 1953 des Landkreises Grafschaft Hoya - Ordnungsamt Syke - teilt der Oberkreisdirektor in der Angelegenheit „Schießstand der ehem. Luftwaffe in Gr. Ippener" dem Herrn British Resident in Verden/Aller folgendes mit: „Im Nachgang zu meiner fernmündlichen Meldung bestätige ich, dass die Kühe auf den Weiden in dem Sicherungsbereich des Schießstandes Gr. Ippener nach Mitteilung der Gemeinde Gr. Ippener während der Auftriebszeit hauptsächlich in den Tageszeiten von 5-7 Uhr, 11-12 Uhr, 17-19.30 Uhr gemolken werden. Ich bitte daher, diese Zeiträume bei der Festlegung der Schießpausen zu berücksichtigen."

Der Schießstand ist als Gefechtsschießplatz angelegt. Es scheint so, als ob dort drei Schießbahnen für 100 m, 150 m und 200-300 m existierten. Nach dem Krieg nutzte zunächst die britische Besatzungsmacht den Schießplatz. Es wurde dort eine 300 Yards Schießbahn (ca. 270 m) eingerichtet, Distanzen von 100 und 200 Yards waren ebenfalls möglich. Hierzu waren bauliche Veränderungen an der Anlage notwendig, neue Sandaufschüttungen erfolgten. Da auf einem britischen Lageplan vom 26.6.1953 bereits Betonreste verzeichnet sind, ist davon auszugehen, dass nach dem Krieg Teile der Anlage entmilitarisiert wurden. Im Westen der Anlage befand sich ein Unterkunfts- und Werkstattgebäude, welches vermutlich aus der Zeit stammt. Es existiert heute nicht mehr.

In den 1960-er Jahren wurde für die Bundeswehr-Garnison Delmenhorst südlich der Anlage eine neue Standortschießanlage errichtet. Zumindest bis zur Inbetriebnahme der bis heute genutzten Anlage wurde der alte Stand genutzt, vermutlich auch noch länger, da die neue Anlage nicht sofort über Schießbahnen unterschiedlicher Kategorien verfügte. In der Folgezeit und auch heute noch wurde/wird das Gebiet zum Sandabbau genutzt, was eine Veränderung des Geländes zur Folge hatte und hat. Die Grundzüge der Anlage mit den Schießbahnen sind nach wie vor deutlich zu erkennen, die Scheibenbefestigungen in der Anzeigedeckung teilweise noch vorhanden. Genutzt wurde die Anlage auch durch in der Caspari-Kaserne stationierte Einheiten - nachfolgende Fotos zeigen u.a. die 3. Kompanie vom Luftwaffenausbildungsregiment 2 bei der Schießausbildung an Gewehr und Pistole im I. Quartal 1959.

Die Standortschießanlage Groß Ippener ist eine Sammelstandortschießanlage. Diese ist, so wie sie heute noch in Nutzung ist, zwischen 1961 und 1964 errichtet worden. Die Verwaltung und der Betrieb der Schießanlage obliegen dem Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Oldenburg.

Auf dem Schießgelände wird die Ausbildung der Truppenteile im Standort Delmenhorst sowie anderen Standorten an den gängigen Schusswaffen durchgeführt. Im Einzelnen sind dies: Pistole, Maschinenpistole (D-Stände), Gewehr, Maschinengewehr, Panzerfaust (A-Stände und C-Stand). Die Anlage verfügt über 3 Schießstände des Typs A (300 m), 4 Schießstände des Typs A (250 m), 8 Schießstände des Typs D (25 m) und einen Schießstand des Typs C (300 m).

Schießausbildung1

 

"Alter Schießstand" Groß Ippener: 3. Komp. LwAusbRgt 2 bei der Schießausbildung im 1. Quart. 1959

Schießausbildung2

"Alter Schießstand" Groß Ippener: 3. Komp. LwAusbRgt 2 bei der Ausbildung im Pistolenschießen

Lageplan des "Alten Schießstands" in Groß Ippener, nördlich des heutigen Schießstands.

Quellen:

  • Webseite zur Caspari-Kaserne (02/2013), http://www.caspari-kaserne.de
  • Chronik der Standortverwaltung Delmenhorst (Lagerort: Wehrbereichsverwaltung Nord)
  • Unterlagen und Erinnerungen Karl Müller
  • Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Oldenburg