Die Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr in Delmenhorst von Mitte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts bis in die Gegenwart März 2015

Waren Mitte der 80er Jahre sowohl in der Caspari-Kaserne als auch in der Fw.-Lilienthal- Kaserne (inklusive Barbaraanteil) noch mehrere Sanitätseinrichtungen, disloziert in unterschiedlichen truppendienstlichen Strukturen, den einzelnen Teilstreitkräften (TSK) zugeordnet, mit der ärztlichen, zahnärztlichen Behandlung und Begutachtung der Soldatinnen und Soldaten betraut, sowie für die sanitätsdienstliche Unterstützung der verschiedenen Truppenteile bei deren Übungen und Ausbildungen zuständig, so gibt es heute noch eine regionale Sanitätseinrichtung in der Fw-Lilienthal-Kaserne zur Behandlung und Begutachtung der Soldaten und Soldatinnen der Standorte Delmenhorst und Bremen und einen Sanitätszug in Oldenburg, der die sanitätsdienstliche Unterstützung bei Ausbildungsvorhaben der in Delmenhorst und Bremen stationierten Einheiten sicherstellt. Beide Einrichtungen sind Teil des Sanitätsunterstützungszentrums Wilhelmshaven (SanUstgZ Wilhelmshaven), welches als regionale Sanitätseinrichtung des Sanitätsdienstes im Rahmen der Einnahme der Bundeswehrstruktur 2020 zum 01. Januar 2015 in Dienst gestellt wurde. Der Gesamtversorgungsbereich des SanUstgZ Wilhelmshaven umfasst die Standorte, Nordholz, Bremerhaven, Seedorf, Osterholz-Scharmbeck, Bremen, Delmenhorst, Diepholz, Oldenburg, Leer, Schortens, Wittmund und Wilhelmshaven.

In Delmenhorst ist als Teil dieses Sanitätsunterstützungszentrums das Sanitätsversorgungszentrum Delmenhorst (SanVersZ Delmenhorst) zum 01. Januar 2015 aufgestellt worden. Es besteht im Wesentlichen aus einem allgemeinmedizinisch, „hausärztlich“ ausgerichteten ambulanten Truppen-arztbereich mit in der Regel drei Ärzten/-innen und medizinischem Fachpersonal sowie einer Truppenzahnarztgruppe mit in der Regel zwei Zahnärzten/-innen und zahnärztlichem Fachpersonal.
Hier werden alle Soldatinnen und Soldaten der in Bremen und Delmenhorst stationierten Einheiten allgemeinärztlich und zahnärztlich behandelt, militärärztlich begutachtet, sowie präventivmedizinisch versorgt.

Im Folgenden wird die Entwicklung, die die regionalen Sanitätseinrichtungen hier in Delmenhorst in den letzten 30 Jahren bis zu diesem Status quo genommen haben, aufgezeigt:

 

Von 1985 bis Ende 1993:

-         Caspari-Kaserne:

Eine Luftwaffensanitätsstaffel mit truppenärztlicher Versorgung und, bis zur Zentralisierung der zahnärztlichen Versorgung 1988 im Sanitätszentrum 206, zahnärztlicher Versorgung, sowie als organischer Teil der Luftwaffeneinheit mit sanitätsdienstlicher Unterstützung bei deren Übungen und Ausbildungen.

Mit Verlegung der Flugabwehrraketengruppe 24 nach Oldenburg 1993 wurde auch deren Sanitätsstaffel nach Oldenburg verlegt und die militärische Nutzung der Caspari-Kaserne aufgegeben.

-         Fw.-Lilienthal-Kaserne:

Jedes Bataillon des Heeres verfügte 1985 über seinen eigenen Sanitätsbereich mit Truppenarzt und Truppenzahnarzt sowie eigenen Sanitätssoldaten, die grundsätzlich der jeweiligen 1. Kompanie der Bataillone angehörten. Abgesetzte, selbstständige Kompanien und/oder Batterien, wie z.B. Drohnenbatterie 1 und Drohnebatterie 14 hatten zusätzlich noch eigene Sanitätstrupps.
Dieses Sanitätspersonal stellte also auf drei Sanitätsbereiche (davon einer im Barbarateil) verteilt, die ärztliche, zahnärztliche Behandlung und Begutachtung der Soldaten und die sanitätsdienstliche Versorgung der jeweiligen Bataillone und selbstständigen Einheiten sicher.

Mit zusätzlicher Aufstellung des Sanitätszentrums 206 (SanZ 206) des Heeres in den Jahren 1986 bis 1988 wurden einige Aufgaben der Sanitätsstaffel der Luftwaffe in der Caspari-Kaserne und der drei Bataillonssanitätsbereiche im Sanitätszentrum in der Fw.-Lilienthal-Kaserne zentralisiert:

Zahnärztliche Versorgung aller Soldaten des Standorts in der ZAGrp 206/1 des SanZ 206; stationäre Versorgung von Soldaten auf der Bettenstation; Wahrnehmung aller standortärztlicher Aufgaben durch Leiter SanZ 206; klinisch-chemisches Labor.
Zusätzlich wurde eine allgemeinärztliche Facharztexpertise durch Aufstellung der Sanitätszentren des Heeres in die Standorte des Heeres und damit auch nach Delmenhorst gebracht. Verbunden damit konnten Lungenfunktionsteste, Belastungs-EKG und Ultraschalluntersuchungen auf Facharztniveau zentral für Delmenhorst im SanZ 206 durchgeführt werden.

1994 bis 2005:

Parallel zur Umgliederung der sanitätsdienstlich zu versorgenden Truppe veränderte sich auch die Struktur der regionalen Sanitätseinrichtungen in unserer Liegenschaft.

Mit Auflösung des Beobachtungsartelleriebataillons 113, dessen Sanitätspersonal zuletzt den im Barbara-Anteil gelegenen bataillonseigenen Sanitätsbereich betrieb, 1994 fiel diese regionalen Sanitätseinrichtung weg. Damit waren zum damaligen Zeitpunkt noch der Sanitätsbereich des Instandsetzungsbataillons 11, der Sanitätsbereich des Nachschubbataillons 11 und das Sanitätszentrum 206, alle der TSK Heer zugehörig, mit seinem jeweiligen Personal für die sanitätsdienstliche Versorgung hier in Delmenhorst verant-wortlich. In engem Schulterschluss zwischen den damaligen Bataillonskommandeuren und dem damaligen Leiter SanZ 206 wurden ab 1995, in Anlehnung an entsprechende Pilotprojekte des Heeres an anderen Standorten, die Sanitätskräfte dieser drei Einheiten arbeitsgliederungstechnisch im täglichen Dienstbetrieb zusammengefasst. Auch die selbstständige Drohnenbatterie 1 beteiligte sich mit ihrem Sanitätstrupp an dieser Zentralisierung der sanitätsdienstlichen Kräfte auf Standortebene.

Im Jahr 1997 wurde aus der Arbeitsgliederung durch Aufstellung der Standortsanitätszentren des Heeres und damit auch des Standortsanitätszentrums Delmenhorst (StOSanZ Delmenhorst) auch strukturell Realität. Allerdings ging der sanitätsdienstliche Versorgungs-auftrag des StOSanZ Delmenhorst weit über den eigenen Standort hinaus:

Das StOSanZ Delmenhorst war als regionale Sanitätseinrichtung des Heeres für die sanitäts-dienstliche Versorgung der Heereseinheiten an den Standorten Varel, Leer, Werlte, Olden-burg in zwei Liegenschaften, Wildeshausen und Delmenhorst verantwortlich. Dazu war in jedem erwähnten Standort in den jeweiligen Liegenschaften eine Außenstelle mit Truppenarztambulanzen und einer Zahnarztgruppe (in Oldenburg eine für beide Liegenschaften) im täglichen Dienstbetrieb zur Erfüllung des sanitätsdienstlichen Auftrags unterstellt. Das StOSanZ Delmenhorst selbst war truppendienstlich dem Logistikregiment 1 (LogRgt 1) in Delmenhorst unterstellt.

Beginnend mit der Einnahme der Struktur 2010 ab 2001 vollzog sich für die Logistiktruppe in Delmenhorst der Unterstellungswechsel zum neuen, selbstständigen Organisationsbereich der Streitkräftebasis (SKB). Parallel zur SKB wurde der ebenfalls neue, selbstständige Organisationsbereich des Zentralen Sanitätsdiensts (ZSanDst)aufgebaut. Diesem wurden sämtliche regionalen Sanitätseinrichtungen aller Teilstreitkräfte unterstellt.

Zum 01.04.2005 war aus dem StOSanZ Delmenhorst das Sanitätszentrum Delmenhorst (SanZ Delmenhorst) entstanden (dabei hatte zwischenzeitlich ein Unterstellungswechsel vom LogRgt 1 zum Leitsanitätszentrum 130 inWilhelmshaven stattgefunden). Dem SanZ Delmenhorst wurden an diesem Tag die neue Sanitätsstaffel Oldenburg und die neue Sanitätsstaffel Diepholz, sowie eine Betriebsarztgruppe in Meppen truppendienstlich unterstellt.

 

2005 bis Ende 2014

Als der ZSanDst die Leitsanitätszentren Ende 2006 zu Fachsanitätszentren umgliederte, wurden alle Sanitätszentren und Fachsanitätszentren direkt einem der vier Sanitätskommandos unterstellt. So unterstand das SanZ Delmenhorst vom 01.01.2007 bis 31.12.2014 dem Sanitätskommando I in Kiel.

 

Heute (März 2015)

Die aktuellen Strukturen sind in der Einführung zu diesem Beitrag beschrieben.

Zusammengefasst spiegeln die strukturellen Änderungen bei den regionalen Sanitätseinrichtungen in Delmenhorst sehr gut den allgemeinen Wandel des Sanitätsdiensts der Bundeswehr der letzten 30 Jahre als Konsequenz aus der gesamten Weiterentwicklung der Bundeswehr wieder.
Die Zusammenführung der fachdienstlichen und truppendienstlichen Führung sämtlicher Sanitätskräfte in einer Hand und in einem eigenen Organisationsbereich, dabei Verschlankung der Führungsebenen und deren Anzahl sind als entscheidende Schritte anzusehen.
Nur so konnte die Fülle der sanitätsdienstlichen Aufträge im Inland und im Ausland auf dem anerkannt hohen Niveau erfüllt werden.
Die allgemeinärztliche und zahnärztliche Versorgung in Delmenhorst, wie auch in den anderen Standorten der Bundeswehr, konnte mit der Entwicklung der zivilen Standards mühelos mithalten.

In Bezug auf medizinische Präventionsmaßnahmen z.B. durch die individuelle Vorbereitung der Soldaten und Soldatinnen auf ihre Auslandseinsätze sind regionale Sanitätseinrichtungen als führend anzusehen.
In den Auslandseinsätzen werden durch unsere Partner ganz besonders die Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr und dabei, neben der beispielgebenden Materialausstattung, vor allem die hohe Leistungsfähigkeit unserer Sanitätskräfte ganz besonders geschätzt.
Seit Mitte der 90´er Jahre bis heute haben sich mehrere Dutzend Soldatinnen und Soldaten der regionalen Sanitätseinrichtungen hier aus Delmenhorst an praktisch allen Einsätzen der Bundeswehr einmal oder mehrfach beteiligt. Hierbei handelte es sich um sogenannte Einzelabstellungen, so dass maximal 10 Soldatinnen und Soldaten zeitlich parallel in direkter Einsatzvorbereitung, Einsatznachbereitung oder im Einsatz selber waren. Eine höhere Zahl von eigenen Kräften parallel im Einsatz wäre nicht ohne dann massive Einschränkungen für die sanitätsdienstliche Versorgung in Delmenhorst möglich gewesen. Dieses Prinzip der sogenannten Einzelabstellungen hatte den positiven Nebeneffekt, dass fast in jedem Einsatzkontingent seit dem Jahr 1997 mindestens eine Soldatin oder ein Soldat des StOSanZ oder des SanZ Delmenhorst beteiligt war, was dem Erfahrungsschatz hier in Delmenhorst vor Ort und damit vor allem auch bei sanitätsdienstlichen Ausbildungen der Delmenhorster Truppenteile im Rahmen von deren Einsatzvorbereitung zu Gute kam.

Die mit dem 01. Januar 2015 eingenommene Gliederung der regionalen Sanitätseinrichtungen bildet eine wesentliche Grundlage, auch in der Struktur 2020 der Bundeswehr die hohe Leistungsfähigkeit des Sanitätsdiensts auf der Versorgungsebene 1 im Inland und bei Auslandseinsätzen zu erhalten.

 

Quelle:  Oberfeldarzt Dr. Klaus Dörr, Leiter SanVersZ Delmenhorst (verfasst am 23.03.2015)